Bezahlbares Wohnen in Lüneburg – die Antworten von Oliver Wozniok (SPD)

Mit Blick auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Lüneburg baten wir die Bewerberinnen und Bewerber um das Amt der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters, die folgenden Fragen für unsere öffentliche Veranstaltung am 23.06.2026 zu beantworten.

Grundsätzliches

1. Wie schätzen Sie grundsätzlich die Situation auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt ein und welche Handlungsbedarfe bestehen für Sie?

Oliver Wozniok: Der Verlust von Sozialwohnungen ist real und hat eine klare Ursache: Bund und Land haben sich seit den 90er Jahren fast vollständig aus der Förderung zurückgezogen, und die alten, befristeten Bindungen laufen schneller aus, als neue entstehen. Im Bestand setzen wir uns mit den Eigentümern zusammen, um auslaufende Bindungen zu verlängern und Mieterinnen und Mieter zu schützen. Richtig ist es auch, den kommunalen Ankauf von Belegrechten durch das Land zu fördern, wie es die niedersächsische SPD auf ihrem letzten Landesparteitag beschlossen hat. Wo private Investoren sich verweigern, wird die öffentliche Hand wichtiger — die LüWoBau bleibt unser zentrales Instrument, einen Verkauf ihrer Anteile lehnen wir strikt ab. Entscheidend ist aber: Neue Sozialbindungen werden mit uns unbefristet. Über das „Lüneburger Modell“ verpflichten wir Investoren ab mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen je Neubaufläche — kein neuer Wohnungsbau mehr ohne diese Quote.

2. Welche zentralen Kriterien bilden das Leitbild Ihrer zukünftigen Politik zum Bezahlbaren Wohnen in Lüneburg?

Oliver Wozniok: Für uns als Lüneburger SPD hat sich das Erbbaurecht bewährt: Es hat in vielen Stadtteilen erst bezahlbares Wohnen und ein Leben über Generationen ermöglicht — und es entzieht den Boden der Spekulation. Genau das ist der Kern. Deshalb vergeben wir städtische Grundstücke grundsätzlich über Stiftungen im Erbbaurecht und wollen es als Instrument erhalten, das Familien und mittleren Einkommen den Weg in die eigenen vier Wände öffnet. Klar ist aber: Es muss sozial bleiben. Die hochspekulative Entwicklung der Bodenrichtwerte darf nicht auf den Erbbauzins durchschlagen; wir trennen Bauland von Garten- und Freiflächen und senken so den Zins für das Gesamtgrundstück. Die Lüneburger SPD bekennt sich zu einem sozial ausgewogenen, generationengerechten und dauerhaft bezahlbaren Erbbaurecht in der Hansestadt Lüneburg.

Bodenpolitik, Bauen und Klima

3. Wie werden Sie mit dem Spannungsfeld zwischen Neubau, Nachverdichtung im Bestand und dem Erhalt von Grünflächen (z.B. für Erholung und Klimaschutz) in Zusammenhang mit Bezahlbarem Wohnen umgehen?

Oliver Wozniok: Es wird ein Spagat. Nach Jahren der grünen Neubauverhinderung muss nun endlich wieder gehandelt werden. Aber eben in der richtigen sozialen Mischung. Erschwinglich, erreichbar, ortsverträglich. Den Kurs hatten wir und den legen wir nun wieder an.
Nachverdichtung geht nur mit Augenmaß. Nicht jedes Grundstück sollte bis zur Grenze der baulichen Nutzung ausgequetscht werden. Jedoch, wo möglich, kann so zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden.
Und bestehende Grünflächen für Freizeit, Erholung und Kaltluftgewinnung sind nach einem ernsthaften Abwägungsprozess zu erhalten.

4. Ist es notwendig, den Bodenmarkt in Lüneburg stärker zu regulieren, insbesondere zur Verhinderung von Bodenspekulation und steigenden Mieten/ Erbbauzinsen? Welche Kriterien zeichnen für Sie eine zukunftsfähige Bodenpolitik aus?

Oliver Wozniok: Dort, wo die Hansestadt oder ihre Stiftungen Eigentümerinnen der Grundstücke sind, dort muss gegen die Bodenspekulation gearbeitet werden. Quadratmeterpreise von 400 bis 500 Euro verhindern, dass sich Menschen mit mittlerem Einkommen noch Bauen und damit Wohnen leisten können. Sie wandern ins Umland ab. Oder verzweifeln. Wir werden transparente Regeln einführen, wer zu günstigen Konditionen Grundstücke erwerben kann. Familie geht vor, Arbeiten vor Ort geht vor, Engagement geht vor. Die SPD-Fraktion steht für soziales Wohnen und Leben vor Ort. Ein wirkliches Leben lang. Und keine Vertreibung von Erbpachtgrundstücken für Familien oder für Ältere, weil es nicht mehr finanzierbar ist.

Bestand

5. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um ohne weiteren Flächenverbrauch zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum im Lüneburger Bestand zu schaffen?

Oliver Wozniok: Zuerst müssen wir gemeinsam den Lüneburger Wohnungsbestand aktivieren. Airbnb o.ä. entzieht dem Wohnungsmarkt viele Flächen. Sogenanntes möbliertes Wohnen umgeht die Mietpreisbremse. Das werden wir wieder stärker mit den schon heute zur Verfügung stehenden Mitteln prüfen und regeln.
Und dann muss mit dem, was die aktuelle Bauturbo und die Änderung der Bauordnung ermöglichen, Wohnraum im Bestand gefördert werden. Dachausbau, Umnutzung leerstehender Büroflächen, Reaktivierung von Innenstadtwohnungen über Geschäften. Und wir werden uns für ein Lüneburger Baudarlehen einsetzen. Für Wohnflächenschaffung zu erschwinglichen Mieten.

6. Wie gehen Sie mit der grundsätzlichen Problematik der ungleichen Wohnraumverteilung um, dass z.B. ältere Menschen allein in großen Häusern leben und Familien bezahlbaren und ausreichend großen Wohnraum suchen?

Oliver Wozniok: Die Lüneburger SPD wird Wohnraumberater aktivieren. Wo kann generationsübergreifendes Wohnen realisiert werden, wo können Einliegerwohnungen geschaffen werden? Und wie ist ein Wohnraumtausch möglich? Ein Generationenvertrag der gegenseitigen Hilfe für Familien und Ältere. Kümmern, aufeinander achten. Im eigenen Haus, im angestammten Quartier bleiben.
Und bei Mietwohnungen von Anfang an planerisch darauf achten, dass verschiedene Wohnungsgrößen im Gebäude vorhanden sind, die bei Bedarf durchgetauscht werden können. Wer weniger braucht, kann Wohnraum freigeben. Denn das passiert ja schon, wenn die Kinder ausziehen, nutzbarer Wohnraum steht leer. Besonders gut funktionieren könnten diese Modelle in gemeinwohlorientierten Vermietern, wie Genossenschaften oder der LüWoBau. Die Lüneburger SPD denkt generationsübergreifend und nachhaltig.

7. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Leerstände im Wohn- und Gewerbebereich in der Hansestadt Lüneburg effektiv zu mindern?

Oliver Wozniok: Wer schon einmal abends durch unsere Innenstadt gelaufen ist, kennt das: Die Wohnungen über den Innenstadtgeschäften sind unbeleuchtet, ungewohnt. Wir werden auf die Eigentümer zugehen. Da gibt es erhebliche Wohnraumreserve. Wir werden gemeinsam Konzepte erarbeiten über die Zugänglichkeit, den Brandschutz, die Fluchtmöglichkeiten.
Lüneburg ist eine attraktive Hansestadt. Wir können mehr als Amazon & Co. Unsere Kaufleute können Beratung, können Service. Können schnell und zuverlässig liefern. Sind vor Ort und ansprechbar.
Leerstände müssen gefüllt werden. Das klingt fast platt. Dabei werden wir alle helfen. Durch Vermittlung von Förderungen, durch Netzwerke, durch Gründerveranstaltungen. Durch Gespräche mit Vermietern. Leerstände müssen für sie unattraktiv werden. Mieten müssen gesichert werden.
Wir werden zuhören und entscheiden.

Neubau

8. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass zukünftig die Voraussetzung für eine Grundstücksvergabe der Neubau preisgünstiger oder geförderter Wohnungen ist?

Oliver Wozniok: Grundstücksvergaben brauchen klare Regeln, die wirklich Bauen und Wohnen ermöglichen. Also SPD werden wir uns für Regeln einsetzen, die Wohnen, Leben, Familie, Bildung, Engagement und Arbeit zusammenbringen.
Sozialer, geförderter Wohnungsbau ist ein wichtiges Ziel, das wir an eine Grundstücksvergabe knüpfen. Ohne wird es mit uns nicht gehen. Und wer sich für die Stadt engagiert, ein Leben an die Stadt zum Leben bindet, denen muss es auch möglich gemacht werden, hier ernsthaft wohnen zu können.

9. Nach welchen Kriterien werden Sie die wenigen verbleibenden, städtischen Flächen vergeben, um den Neubau von bezahlbarem Wohnraum fördern?

Oliver Wozniok: Da stehen das Soziale und die Familie für uns als Lüneburger SPD an erster Stelle. Kinder, Familienplanung und auch Pflegefälle im Haushalt. Dann sehen wir das Engagement, das Ehrenamt. Wer sich für die Gemeinschaft einsetzt, für den setzt sich auch die Gemeinschaft ein. Relevant ist auch, wer schon länger in Lüneburg wohnt und seine Wege zur Bildung und zur Arbeit bereits eingelaufen hat.
Und es wird eine Baupflicht mit uns geben. Mit einem klaren Anteil von mindestens 30% für sozialen Mietwohnungsbau. Und es gilt eine feste Frist für den Bezug. Städtische Flächen (auch die der Stiftungen) werden wir keiner Spekulation zur Verfügung stellen.

10. Ein großer Teil bezahlbaren Wohnraums geht durch den Ablauf von zeitlich befristeten Sozialbindungen verloren. Wie werden Sie zukünftig mit Sozialbindungen auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt umgehen?

Oliver Wozniok: Da ist leider in den letzten Jahren nicht gegengesteuert worden. Wohnraum mit Sozialbindungen geht aktuell in bedenklichen Größenordnungen verloren. Wir werden uns mit den Eigentümern zusammensetzen und klären, wie eine weitere sozialverträgliche Vermietung möglich ist und unterstützt werden kann. Das, was der Wohnungsmarkt aktuell an Rendite abwirft, übersteigt die Ausgangskalkulation der Investoren um ein Vielfaches. Da appellieren wir an das soziale Gewissen. Und für eine attraktive, gemeinsame Hansestadt.
Und weiter gilt: Bauen ist mit uns ohne soziale Wohnungsbau nicht machbar. Auch nicht im Bauturbo. Wir werden nach Jahren des grünen Hinwartens und Verhinderns längst baureife Flächen endlich marktgerecht und sozial auf den Markt bringen und bebauen lassen.

Junge Menschen, Auszubildende, Studierende und Wohnprojekte

11. Junge Menschen haben große Schwierigkeiten, eigenen Wohnraum zu finden und zu finanzieren. Welche Möglichkeiten sehen Sie, bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen bzw. zu unterstützen, dass z.B. dem Studierendenwerk OstNiedersachsen öffentliche Grundstücke oder Gebäude kostenfrei (oder z. B. im Erbbaurecht) zur Verfügung zu stellen?

Oliver Wozniok: Wer in Lüneburg seine Ausbildung macht, wer hier studiert, wer hier seine erste Stelle annimmt, braucht diskussionslos auch erschwinglichen Wohnraum. Und die SPD ist offen für Vereinbarungen mit dem Studierendenwerk und anderen Anbietern. Und wir müssen grundsätzlich eine gesunde Mischung zwischen kleinen und größeren Wohnungen sicherstellen. Begegnungen, Hilfe, Kontakte, der Flair eines Quartiers wird entscheidend durch Gegenseitigkeit und Respekt geprägt, Das kann Architektur. Verhindern werden wir jedoch, dass sogenannte möblierte Wohnungen die Mietpreisbremse umgehen. Das haben wir gerade für die Regeln zum Lüneburger Bauturbo durchgesetzt.

12. Werden Sie und wie werden Sie gemeinschaftliches Wohnen oder generationenübergreifende Wohnprojekte in Lüneburg unterstützen?

Oliver Wozniok: Die Lüneburger SPD beschäftigt sich bereits mit den Fragen des zukünftigen gemeinschaftlichen Wohnens. Junge Familien brauchen auch mal Bonus-Großeltern, wenn die eigenen Großeltern weiter weg wohnen. Ältere Menschen brauchen vielleicht Alltagshilfe und Fürsorge. So etwas funktioniert in Mehrgenerationen-Wohnprojekten. Auch wenn es um angepassten Wohnflächenbedarf geht. Oder die Pflege des gemeinschaftlichen Gartens.
Wir wollen mit Architekten und Investoren ins Gespräch kommen, wie zukünftig Wohnen über den gesamten Lebenszyklus aussehen kann. Und wie Ausbau, Zugänglichkeit und Wohnumfeldgestaltung dies unterstützen kann. Wohnen muss flexibler gedacht werden.

Erbbau

13. Welche Bedeutung hat der Erbbau für Sie grundsätzlich als Instrument für Bezahlbares Wohnen in Lüneburg im Bestand und für den Neubau?

Oliver Wozniok: Da haben wir als Lüneburger SPD eine ganz klare Sicht: Das Erbbaurecht hat sich in Lüneburg bewährt. Es hat in vielen Stadtteilen erst für bezahlbares Wohnen gesorgt und generationslanges Leben möglich gemacht. Aktuell arbeiten wir gemeinsam an einer Lösung, dass das so bleibt. Erbbaurecht wird mit uns ein Instrument bleiben, dass Familien und Menschen mit mittlerem Einkommen den Weg in die eigenen vier Wände ermöglicht. Die höchst spekulative Entwicklung der Bodenrichtwerte muss bei der zukünftigen Gestaltung des Erbbauzinses wieder abgefangen werden. Wir werden Bauland wieder von Garten- und Freiflächen trennen und so den Erbbauzins für das Gesamtgrundstück senken. Die Lüneburger SPD bekennt sich zu sozial ausgewogenem, generationsgerechtem und dauerhaft bezahlbarem Erbbaurecht in der Hansestadt Lüneburg.

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