Bezahlbares Wohnen in Lüneburg – die Antworten von Patrick Pietruck (CDU)
Mit Blick auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Lüneburg baten wir die Bewerberinnen und Bewerber um das Amt der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters, die folgenden Fragen für unsere öffentliche Veranstaltung am 23.06.2026 zu beantworten.
Grundsätzliches
1. Wie schätzen Sie grundsätzlich die Situation auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt ein und welche Handlungsbedarfe bestehen für Sie?
Patrick Pietruck: Der Lüneburger Wohnungsmarkt ist angespannt. Es fehlt bezahlbarer Wohnraum für Familien, Studierende, Auszubildende, Fachkräfte, Seniorinnen und Senioren. Wir brauchen mehr Tempo beim Bauen, kluge Nachverdichtung, Nutzung von Leerstand, neue Wohngebiete und eine Verwaltung, die Verfahren schneller entscheidet.
2. Welche zentralen Kriterien bilden das Leitbild Ihrer zukünftigen Politik zum Bezahlbaren Wohnen in Lüneburg?
Patrick Pietruck: Mein Leitbild ist: mehr Wohnraum, bezahlbar, sozial gemischt, generationengerecht und alltagstauglich. Entscheidend sind Tempo, Verlässlichkeit, Nutzung des Bestands, neue Flächen dort, wo sie sinnvoll sind, gute Infrastruktur und klare Regeln für Investoren. Wohnen darf nicht an Bürokratie scheitern.
Bodenpolitik, Bauen und Klima
3. Wie werden Sie mit dem Spannungsfeld zwischen Neubau, Nachverdichtung im Bestand und dem Erhalt von Grünflächen (z.B. für Erholung und Klimaschutz) in Zusammenhang mit Bezahlbarem Wohnen umgehen?
Patrick Pietruck: Wir brauchen beides: Nachverdichtung im Bestand und Neubau. Grünflächen sind wichtig, aber sie dürfen nicht pauschal jedes Projekt verhindern. Ich will zuerst Baulücken, Obergeschosse, Aufstockungen und Brachflächen nutzen. Wo neue Wohngebiete nötig sind, müssen sie mit Infrastruktur, Grün und Verkehr gut geplant werden.
4. Ist es notwendig, den Bodenmarkt in Lüneburg stärker zu regulieren, insbesondere zur Verhinderung von Bodenspekulation und steigenden Mieten/ Erbbauzinsen? Welche Kriterien zeichnen für Sie eine zukunftsfähige Bodenpolitik aus?
Patrick Pietruck: Bodenspekulation darf bezahlbares Wohnen nicht ausbremsen. Eine zukunftsfähige Bodenpolitik braucht Transparenz, Konzeptvergabe statt Höchstpreisprinzip, Erbbau als Instrument, klare Bindungen und verlässliche Regeln. Regulierung muss zielgenau sein: gegen Spekulation, aber nicht gegen diejenigen, die tatsächlich bauen wollen.
Bestand
5. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um ohne weiteren Flächenverbrauch zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum im Lüneburger Bestand zu schaffen?
Patrick Pietruck: Zusätzlicher Wohnraum im Bestand entsteht durch Dachausbau, Aufstockung, Nutzung leerer Obergeschosse, Umbau geeigneter Gewerbeflächen, Aktivierung von Leerstand und schnellere Nutzungsänderungen. Dafür braucht es Beratung, klare Ansprechpartner und eine Verwaltung, die Brandschutz, Denkmalschutz und Bauen lösungsorientiert zusammenbringt.
6. Wie gehen Sie mit der grundsätzlichen Problematik der ungleichen Wohnraumverteilung um, dass z.B. ältere Menschen allein in großen Häusern leben und Familien bezahlbaren und ausreichend großen Wohnraum suchen?
Patrick Pietruck: Ich setze nicht auf Druck, sondern auf Angebote. Wir brauchen mehr seniorengerechte Wohnungen, Wohnungstauschmodelle, Beratung und Unterstützung beim Umzug. Wenn ältere Menschen freiwillig in passende Wohnungen wechseln können, werden größere Wohnungen und Häuser für Familien frei. Das muss praktisch organisiert werden.
7. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Leerstände im Wohn- und Gewerbebereich in der Hansestadt Lüneburg effektiv zu mindern?
Patrick Pietruck: Wir brauchen ein aktives Leerstandsmanagement: Leerstand erfassen, Eigentümer direkt ansprechen, Nutzungsänderungen beschleunigen und Zwischennutzungen ermöglichen. In der Innenstadt sollten Wohnen über Geschäften, Pop-up-Konzepte, Dienstleistungen und Kultur leichter möglich werden. Leerstand darf nicht einfach hingenommen werden.
Neubau
8. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass zukünftig die Voraussetzung für eine Grundstücksvergabe der Neubau preisgünstiger oder geförderter Wohnungen ist?
Patrick Pietruck: Ja, bei städtischen Grundstücken muss bezahlbarer Wohnraum ein zentrales Vergabekriterium sein. Ich setze auf Konzeptvergabe statt reines Höchstgebot. Entscheidend sind bezahlbare Mieten, Sozialbindung, Baugeschwindigkeit, Durchmischung und Qualität der Umsetzung. Wer nur spekuliert, darf nicht den Zuschlag bekommen.
9. Nach welchen Kriterien werden Sie die wenigen verbleibenden, städtischen Flächen vergeben, um den Neubau von bezahlbarem Wohnraum fördern?
Patrick Pietruck: Städtische Flächen sollten nach klaren Kriterien vergeben werden: Anteil bezahlbarer und geförderter Wohnungen, Dauer der Bindung, soziale Mischung, schnelle Realisierung, gute Infrastruktur, Nachhaltigkeit im Betrieb und verlässliche Partner. Der höchste Preis darf nicht allein entscheiden. Lüneburg braucht Wohnraum, nicht Spekulation.
10. Ein großer Teil bezahlbaren Wohnraums geht durch den Ablauf von zeitlich befristeten Sozialbindungen verloren. Wie werden Sie zukünftig mit Sozialbindungen auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt umgehen?
Patrick Pietruck: Sozialbindungen müssen stärker gesichert und verlängert werden. Bei neuen Projekten sollten Bindungen verbindlich, möglichst langfristig und transparent vereinbart werden. Außerdem müssen auslaufende Bindungen frühzeitig erfasst werden, damit Stadt, Wohnungswirtschaft und Eigentümer rechtzeitig Lösungen finden, bevor bezahlbarer Wohnraum verloren geht.
Junge Menschen, Auszubildende, Studierende und Wohnprojekte
11. Junge Menschen haben große Schwierigkeiten, eigenen Wohnraum zu finden und zu finanzieren. Welche Möglichkeiten sehen Sie, bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen bzw. zu sichern oder z.B. dem Studierendenwerk OstNiedersachsen öffentliche Grundstücke oder Gebäude kostenfrei (oder z. B. im Erbbaurecht) zur Verfügung zu stellen?
Patrick Pietruck: Wir brauchen mehr Wohnraum für junge Menschen, Auszubildende und Studierende. Dazu gehören Studierendenwohnheime, Azubi-Wohnen, kleinere bezahlbare Wohnungen und Kooperationen mit Studierendenwerk, Leuphana und Wohnungswirtschaft. Öffentliche Grundstücke im Erbbaurecht können dafür sinnvoll sein, wenn klare soziale Ziele vereinbart werden.
12. Werden Sie und wie werden Sie gemeinschaftliches Wohnen oder generationenübergreifende Wohnprojekte in Lüneburg unterstützen?
Patrick Pietruck: Ja. Gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen kann Einsamkeit verringern, Wohnfläche besser nutzen und Quartiere stärken. Ich will solche Projekte durch Konzeptvergaben, Beratung, geeignete Grundstücke und schnelle Verfahren unterstützen. Wichtig ist: Sie müssen bezahlbar, verbindlich organisiert und im Alltag tragfähig sein.
Erbbau
13. Welche Bedeutung hat der Erbbau für Sie grundsätzlich als Instrument für Bezahlbares Wohnen in Lüneburg im Bestand und für den Neubau?
Patrick Pietruck: Erbbau ist ein wichtiges Instrument, um Boden langfristig in öffentlicher oder gemeinwohlorientierter Hand zu halten und bezahlbares Wohnen zu sichern. Es darf aber nicht durch zu hohe Erbbauzinsen unattraktiv werden. Entscheidend sind faire Konditionen, lange Laufzeiten, soziale Bindungen und klare Regeln für Neubau und Bestand.
