Bezahlbares Wohnen in Lüneburg – die Antworten von Thorben Peters (Die Linke)
Mit Blick auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Lüneburg baten wir die Bewerberinnen und Bewerber um das Amt der Oberbürgermeisterin bzw. des Oberbürgermeisters, die folgenden Fragen für unsere öffentliche Veranstaltung am 23.06.2026 zu beantworten.
Grundsätzliches
1. Wie schätzen Sie grundsätzlich die Situation auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt ein und welche Handlungsbedarfe bestehen für Sie?
Thorben Peters: Lüneburg steckt in einer Wohnungsnot. Mieten steigen deutlich schneller als Einkommen, Sozialwohnungen verschwinden und immer mehr Menschen finden keine bezahlbare Wohnung. Wohnen darf keine Ware sein. Wir brauchen mehr kommunalen, genossenschaftlichen und gemeinnützigen Wohnungsbau, eine aktive Bodenpolitik und wirksame Maßnahmen gegen Leerstand und Spekulation.
2. Welche zentralen Kriterien bilden das Leitbild Ihrer zukünftigen Politik zum Bezahlbaren Wohnen in Lüneburg?
Thorben Peters: Wohnen ist ein Menschenrecht. Mein Leitbild ist eine Stadt für alle statt für Immobilienprofite. Öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsbau, dauerhafte Sozialbindungen, Erbbaurecht statt Grundstücksverkauf, Schutz vor Verdrängung und eine soziale Stadtentwicklung sollen dafür sorgen, dass Menschen unabhängig von Einkommen eine bezahlbare Wohnung finden.
Bodenpolitik, Bauen und Klima
3. Wie werden Sie mit dem Spannungsfeld zwischen Neubau, Nachverdichtung im Bestand und dem Erhalt von Grünflächen (z.B. für Erholung und Klimaschutz) in Zusammenhang mit Bezahlbarem Wohnen umgehen?
Thorben Peters: Wir brauchen beides: zusätzlichen Wohnraum und den Schutz von Klima und Lebensqualität. Vorrang haben Umbau, Aufstockung, Nachverdichtung und die Nutzung bereits versiegelter Flächen. Wo neu gebaut wird, müssen Grünflächen erhalten oder ausgeglichen werden. Neubau muss sozial, klimagerecht und flächensparend erfolgen.
4. Ist es notwendig, den Bodenmarkt in Lüneburg stärker zu regulieren, insbesondere zur Verhinderung von Bodenspekulation und steigenden Mieten/ Erbbauzinsen? Welche Kriterien zeichnen für Sie eine zukunftsfähige Bodenpolitik aus?
Thorben Peters: Ja. Boden ist keine beliebige Ware. Die Stadt sollte Flächen möglichst in öffentlicher Hand halten, Grundstücke bevorzugt im Erbbaurecht vergeben und Bodenspekulation begrenzen. Eine zukunftsfähige Bodenpolitik orientiert sich am Gemeinwohl statt an Renditeinteressen und schafft dauerhaft bezahlbaren Wohnraum.
Bestand
5. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um ohne weiteren Flächenverbrauch zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum im Lüneburger Bestand zu schaffen?
Thorben Peters: Wir sollten Leerstände aktiv erfassen und nutzen, Dachgeschosse ausbauen, Gebäude aufstocken und Gewerbeflächen dort umwandeln, wo es sinnvoll ist. Außerdem wollen wir die Revitalisierung von Bestandsgebäuden fördern und Hindernisse für gemeinschaftliche Wohnformen abbauen.
6. Wie gehen Sie mit der grundsätzlichen Problematik der ungleichen Wohnraumverteilung um, dass z.B. ältere Menschen allein in großen Häusern leben und Familien bezahlbaren und ausreichend großen Wohnraum suchen?
Thorben Peters: Niemand soll zum Umzug gedrängt werden. Aber wir können Anreize schaffen, etwa durch Unterstützung beim freiwilligen Wohnungstausch, altersgerechte Alternativen und den Ausbau von Mehrgenerationenprojekten. So können große Wohnungen für Familien frei werden, ohne Menschen ihre Entscheidung aufzuzwingen.
7. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Leerstände im Wohn- und Gewerbebereich in der Hansestadt Lüneburg effektiv zu mindern?
Thorben Peters: Leerstand ist sozial und ökologisch nicht vertretbar. Wir wollen ein kommunales Leerstandsregister, die konsequente Anwendung von Zweckentfremdungsregelungen und die Unterstützung von Eigentümer*innen bei der Rückführung leerstehender Immobilien in die Wohnnutzung. Wohnraum muss genutzt werden.
Neubau
8. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass zukünftig die Voraussetzung für eine Grundstücksvergabe der Neubau preisgünstiger oder geförderter Wohnungen ist?
Thorben Peters: Ja. Öffentliche Grundstücke sind ein knappes Gut und müssen dem Gemeinwohl dienen. Wer auf städtischen Flächen baut, soll einen verbindlichen Anteil dauerhaft bezahlbarer oder geförderter Wohnungen schaffen. Öffentliche Flächen dürfen nicht zur Maximierung privater Renditen vergeben werden.
9. Nach welchen Kriterien werden Sie die wenigen verbleibenden, städtischen Flächen vergeben, um den Neubau von bezahlbarem Wohnraum fördern?
Thorben Peters: Entscheidend sind sozialer Nutzen, dauerhafte Bezahlbarkeit, Klimaschutz und Gemeinwohlorientierung. Vorrang haben kommunale, genossenschaftliche und gemeinnützige Träger. Erbbaurecht statt Verkauf, hohe Sozialwohnungsquoten und nachhaltige Bauweise sollen zentrale Kriterien sein.
10. Ein großer Teil bezahlbaren Wohnraums geht durch den Ablauf von zeitlich befristeten Sozialbindungen verloren. Wie werden Sie zukünftig mit Sozialbindungen auf dem Lüneburger Wohnungsmarkt umgehen?
Thorben Peters: Der Verlust von Sozialwohnungen ist eines der größten Probleme. Deshalb setzen wir uns für dauerhafte Sozialbindungen bei kommunalen Projekten ein. Öffentliche Förderung muss an langfristige Bezahlbarkeit gekoppelt werden. Neue Wohnungen dürfen nicht nach wenigen Jahren aus der Bindung fallen.
Junge Menschen, Auszubildende, Studierende und Wohnprojekte
11. Junge Menschen haben große Schwierigkeiten, eigenen Wohnraum zu finden und zu finanzieren. Welche Möglichkeiten sehen Sie, bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen bzw. zu sichern oder z.B. dem Studierendenwerk OstNiedersachsen öffentliche Grundstücke oder Gebäude kostenfrei (oder z. B. im Erbbaurecht) zur Verfügung zu stellen?
Thorben Peters: Junge Menschen dürfen nicht an der Wohnungssuche scheitern. Ich unterstütze mehr Wohnheimplätze, Azubi-Wohnen und die Vergabe öffentlicher Grundstücke an gemeinnützige Träger und das Studierendenwerk, bevorzugt im Erbbaurecht. Bezahlbarer Wohnraum für junge Menschen ist eine Investition in die Zukunft der Stadt.
12. Werden Sie und wie werden Sie gemeinschaftliches Wohnen oder generationenübergreifende Wohnprojekte in Lüneburg unterstützen?
Thorben Peters: Solche Projekte stärken Zusammenhalt und helfen, Wohnraum effizient zu nutzen. Deshalb möchte ich Mehrgenerationenhäuser, Genossenschaften und gemeinschaftliche Wohnprojekte gezielt fördern, bei Grundstücksvergaben bevorzugen und durch Beratung und Unterstützung bei Genehmigungen erleichtern.
Erbbau
13. Welche Bedeutung hat der Erbbau für Sie grundsätzlich als Instrument für Bezahlbares Wohnen in Lüneburg im Bestand und für den Neubau?
Thorben Peters: Erbbaurecht ist ein wichtiges Instrument gegen Bodenspekulation. Die Stadt behält die Kontrolle über den Boden und kann langfristig Einfluss auf Mieten und Nutzung nehmen. Deshalb sollten kommunale Flächen grundsätzlich nicht verkauft, sondern bevorzugt im Erbbaurecht vergeben werden. Gleichzeitig darf der Erbbauzins nicht durch die Decke schießen. Erbbau muss dauerhaft bezahlbares Wohnen sichern und darf nicht selbst zum Kostentreiber werden. Deshalb braucht es sozial gerechte Berechnungsmodelle, Transparenz und verlässliche Kappungsgrenzen bei der Entwicklung der Erbbauzinsen.
